Sonntag, 3. Februar 2013

Die Gefahr des Totalitarismus

Ein gebildeter Mensch hat ein gewisses Thema, zumindest in der eigenen Schulkarriere, übertriebenermaßen mindestens tausend Mal durchgekaut: die Existenz einer totalitären Staatsform, zum einen am Beispiel des Faschismus in Form des Nationalsozialismus im Dritten Reich, zum anderen in Form des Realsozialismus anhand des Stalinismus in der Sowjetunion samt deren Satellitenstaaten. Und natürlich wird einem aufgrund historischer Erfahrung eingetrichtert, dass solche Systeme böse waren, dass deren Führer zu verabscheuen sind und jegliche Handlungen in den damaligen Staaten schlecht waren. Und ebenfalls lernt man, dass es den Totalitarismus nicht mehr gibt. ... schön zu wissen!

Aber was ist denn Totalitarismus? Laut dem Politiklexikon von Klaus Schubert und Martina Klein ist der Totalitarismus vereinfacht „das krasse Gegenteil des modernen freiheitlichen Verfassungsstaates und des Prinzips einer offenen, pluralen Gesellschaft“. Ein demokratischer Rechtsstaat lässt also nicht die Existenz des Totalitarismus zu, so die Logik jener AutorInnen.
Doch was, wenn unser System totalitär wird? Eine totalitäre Demokratie ist nicht unlogisch oder paradox, vielleicht ist sie sogar realer, als es viele für möglich halten. Bei dem Zusammenhang < Totalitarismus – Faschismus – Nazizeit > denken viele an KZs, Todesstrafen ohne Verhandlungen und Massenvernichtung jener, die anders denken oder einfach nicht ins Raster der Ideologie passen. Doch der Faschismus als Beispiel ist nicht die Definition des Totalitarismus. Entscheidende Merkmale sind, dass eine wie auch immer aufgebaute Führung potenziell die Möglichkeit besitzt, in alle Bereiche des Lebens einzugreifen, alle Einflussmöglichkeiten bei sich zu konzentrieren und unbeschränkt Sanktionen zu verhängen. 
Wenn in Deutschland jemand mit den Richtlinien des Systems nicht übereinstimmt und dies in verfassungsfeindlicher Form äußert, muss er mit Sanktionen rechnen. Die handelnde Person wird für eine andere Weltanschauung bestraft. Man könnte sagen, dass rein nach der Devise „Die Freiheit des Einzelindividuums gefährdet die Freiheit der Masse“ die Mehrheit vor der Minderheit bewahrt wird.
Bei der totalitären Demokratie ist also kein Terrorregime an der Macht, welches ohne Skrupel alle Kritiker aus dem Weg räumt. Man könnte sagen, dass diese Form humaner und eben, wie der Name auch aussagt, demokratischer ist, doch nichtsdestotrotz bleibt es eine Unterform des Totalitarismus, ein System, welches den Geist des Menschen unterwirft und das einzelne, denkende Individuum mit der Masse verschmelzen lässt.
Doch einfacher und zweckdienlicher, als eine vollkommene totalitäre Demokratie zu konstruieren, ist es, jene freiheitliche umzuwandeln in eine Diktatur, was es glücklicherweise den Demokraten um einiges leichter macht, das rechtsstaatliche System zu verteidigen und beizubehalten.
Die Frage bei der Abwehr eines wie auch immer gearteten, vielleicht eben auch demokratischen Totalitarismus ist, ob man sich auf die antike Vorstellung der Demokratie zurückbesinnt, oder ob man sich neue Mittel und Wege sucht, um eine Demokratie zu errichten, die legitimiert, sicher und andauernd ist.

Es ist möglich, dass eine Form des Totalitarismus wiederaufersteht, trotz unserer Bildung über die Unübertroffenheit früherer menschlicher Ignoranz. Der Mensch wandelt sich langsamer, als es der Wunsch vieler ist, und doch, auch nach Millennien, wird die Menschheit nicht perfekt, sondern immer noch anfällig sein.
Doch mögen wir auch nicht dem Ideal entsprechen, so darf es uns doch nicht daran hindern, der Versuchung zu widerstehen, bevormundet zu werden. 
 
Mensch, gebrauche deinen Geist!
Sapere aude!

Sonntag, 27. Januar 2013

Die Logik der Moral

Was ist moralisch? Was ist gut, richtig, erlaubt, gestattet, der Situation und den Umständen angemessen? Was ist mir geboten und gesetzt, woran muss ich mich halten, was ist heilig und unantastbar und unwiderruflich festgeschrieben?

http://bit.ly/VgICm3

Wie Du handelst, wie Du denkst und redest, all das hängt von vielen verschiedenen Kriterien ab. Je nach geografischer Lage, sozialem Umfeld, religiöser und politischer Einstellung, Erfahrung, gesellschaftlichen Strukturen und wohl auch genetischer Vorherbestimmung verhält sich jeder in der gleichen Situation anders.
Doch wir alle sind gebunden an die Forderungen der Gesellschaft. Forderungen, die wir, so wir nicht als Außenseiter enden wollen, erfüllen müssen. Und genau daher kommt auch die Definition dessen, was moralisch ist: von der Gesellschaft.

Wir lernen bereits in jungen Jahren, dass ein Mord zu verachten ist und dass ein Massenmord schlimmer ist als ein Einzelmord und dass der Holocaust all solche Taten übertrifft. Wir lernen, dass man den Besitzer eines wertvollen Verlustobjektes suchen sollte, dass man nicht über Fehler anderer lacht und stets die Goldene Regel beachten sollte: „Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu.“
Schon im Alter von 5 Jahren kennen die meisten Menschen die Bilder des Bösen, die Feinde der gesitteten Zivilisation, das zu Bekämpfende. Mag der Feind in Gestalt eines Hitler-Bildes in Erscheinung treten, als Osama Bin Laden, Bush, Satan, Jesus oder als Ruinen eines ehemals berühmten Gebäudes, welches nunmehr in Schutt und Asche liegt, weil eine böse und unmoralische Person es zerstörte.
Ebensowenig wie die Religion und die politische Einstellung kann ein kleines Kind die moralische Ansicht beeinflussen; sie wird ihm eingetrichtert, indoktriniert. Ein Kind leistet keinen Widerstand, ein Kind begehrt nicht auf, denn es hatte vorher keine eigene, fest verankerte Meinung. Dies ist auch der Grund, warum viele große und mächtige Religionen, Sekten, politische und gesellschaftlich orientierte Organisationen und sogar Wirtschaftskonzerne ihren Einfluss schnellstmöglich auf Kinder ausweiten wollen.
Und irgendwann trifft der im jungen Alter indoktrinierte Mensch auf eine andersdenkende Person und dann erst besteht die Chance eines Wandels. Denn woher, wenn nicht durch den Kontakt und durch Kommunikation mit anderen Individuen, soll die Moral und die Lebenseinstellung kommen?

http://bit.ly/X4mBIv (editiert)

Der Mensch als Einzelperson kann nicht bestehen, kann nicht handeln und denken, wenn er nicht vorher dazu angeleitet wurde. Zu dem, was wir sind, werden wir erst durch die Gesellschaft gemacht.
Und ob wir dies nun als schlecht oder gut empfinden, dass wir nicht eine wahrhaft eigene Moral aufbauen können, dies hängt wiederum von unserer eigenen Moral ab. Das ist nicht paradox, das ist real.
Denn Moral ist ein Lebensprinzip, ein Muster unserer Handlungen, eine Denkweise, die uns hilft, alles in Kategorien einzuteilen.
Und dank der menschlichen Anomalie, unserer Andersartigkeit des Einzelindividuums in der gleichartigen Masse wird jeder von uns immer jemanden finden, der sagen kann: „Du handelst unmoralisch!“

Die Moral hindert uns an einer freien Entfaltung, die Moral ist das Unmoralischste überhaupt!
Die Logik steckt in der Notwendigkeit ihrer Existenz. Ohne die Bewertung von Tatsachen sind wir nicht fähig zu handeln. Empfinden wir etwas für gerechtfertigt, so führen wir es aus. Trifft das Gegenteil ein, so lassen wir es. Und ist die zweite Situation der Fall und wir werden zur Tat gezwungen, so gehen wir selbst daran zu Grunde. Ein Mensch, zwei Wege, drei Konsequenzen.

http://bit.ly/Wvhu38

Doch die Frage ist stets: Was gestattest Du Dir selber? Denn mag die Gesellschaft Dich auch in eine Rolle drängen, die Du gezwungenermaßen einnimmst, dein Gehirn wird dadurch nicht außer Kraft gesetzt. Die Entscheidung liegt bei dir.

Sonntag, 20. Januar 2013

Ungerechtigkeit

Die Welt ist ungerecht! Das ist ein Fakt, wir wissen es alle, keiner leugnet es. Doch das ist kein Naturgesetz. Es ist nicht vorherbestimmt, dass die Welt ist, wie sie ist. Doch was schert die Erste Welt, was ungerecht ist?


Ungerechte Welt

Gesättigte, verschwenderische westliche Welt,
Zu haben ist alles für gutes Geld.
Supermärkte mit vollen Regalen -
Kein Problem für alles zu zahlen.

Voll gefüllte Körbe und Karren,
durch die vielen Reihen schnarren.
Man sieht nur Menschen, gut genährt,
kaum jemand läuft - alles fährt.

Essensreste, tonnenweise
gehen auf die Müllplatz-Reise.
Vom Greise bis zum Kind
sieht niemand, dass andere hungrig sind.

In Afrika, dem schwarzen Land,
Hunger stets viele Opfer fand.
Aufgetriebene Kinderbäuche, starre Mienen,

Fliegenschwärme, Infektionen
in fast allen heißen Zonen.
Massengeburten, Massentod -
äußerste Armut, größte Not.

Wie ist das alles so ungerecht !
Hier geht es so gut und dort so schlecht,
Denken wir wirklich genug daran,
wie man wirksam helfen kann?


Karl-Heinz Fricke (2005; http://bit.ly/WPQyKD)


http://bit.ly/WwdYWL


Wir sagen, wir seien der Maßstab der Zivilisation. Wir berufen uns auf Menschlichkeit, Gleichheit, Frieden und Freiheit. Und auf Gerechtigkeit!
Wir haben den Reichtum, wir haben die Mittel, uns geht es gut und wir beklagen uns trotzdem. Unsere Bedürfnisse der Minimal-Existenz sind bei Weitem gedeckt, doch wir verlangen mehr. Stets fordern wir noch ein Stück vom Kuchen; ein weiteres Haus, ein weiteres Auto, eine weitere Wahl der konservativen Parteien, damit in Europa der Luxus herrscht und in Afrika das Elend. Solange wir nicht betroffen sind, fürchten wir uns nicht vor der Not, dem Mangel, dem Elend. Wir sind nicht vom Schmerz betroffen. Wir wissen, was die Medien berichten, mit der Perspektive des Westens.

http://bit.ly/pu6WCL

"Was kann ich denn schon Großes ändern, was kann ich bewirken?" magst Du fragen und vielleicht auch bedauernd den Kopf schütteln, wenn Du Bilder siehst, wo Napalm regnet, wenn Du von Bomben hörst und Selbstmordanschlägen, wenn Dich Terrorbilder begleiten und das Kanonenfeuer aus der Tagesschau Dich schockiert. Du bist die einzelne Stimme, eine Stimme unter Milliarden, und doch bewirkt sie was. 

"Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben, eine Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben." (Film-Zitat aus "V wie Vendetta")

Deine Einstellung beeinflusst alle um Dich herum, dein Lebensstil bewirkt eine Veränderung der Gesellschaft. Es ist eine eigene, geringe Politik der kleinen Schritte, eine Politik, wie sie auch im großen Maßstab ausgeführt werden muss und doch kaum zur Anwendung kommt. Wenn das System scheitert, lebt die Gesellschaft wieder auf. Oder aber der Kollaps wird vermieden und "die da oben" leiten einen Wandel ein. Doch was, wenn sie das nicht tun? Was wenn, alles versagt, wenn der freie Kapitalismus um sich greift und ein Abgrund entsteht? Dann zählt eines, was sogar im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert ist: das Widerstandsrecht.

http://bit.ly/XsH9sg
Doch erst, wenn das Denken sich wandelt, wenn der Mensch versteht, dass Ungerechtigkeit nicht zwangsläufig ein Bestandteil des Lebens sein muss und wenn wir als intelligente Spezies auf diesem Planeten die Verantwortung für unsere Taten akzeptieren, erst dann kann ein Wandel einsetzen.
Unser System setzt eine buckelnde Menschheit voraus, ein Volk von Dienern und Versklavten der Oberschicht. Die Macht des Kapitals verführt den Menschen. 
Der Unterschied zur Ausbeutung des 19. Jahrhunderts ist das Verhältnis. Die Anzahl jener, die zu weit vom Luxus entfernt sind, um ihn jemals erleben zu können, ist dramatisch gesunken. Seit Jahrzehnten nimmt die Mittelschicht unaufhörlich zu. Doch irgendwann kommt der Moment, wo wir merken, dass es unmöglich ist, dass 100% in Saus und Braus leben. Und auch 70% können es nicht sein. Nicht, wenn die Ungerechtigkeit erhalten bleibt, nicht, wenn der brutale Finanz-Kapitalismus erhalten bleibt und erst recht nicht, wenn selbst wir als gebildete Bürger einer Erste-Welt-Demokratie nicht aufstehen, um zu bezeugen, dass wir uns nicht von allen Menschen unterscheiden. Wir sind nicht besser oder schlechter, es gibt kein von Gott berufenes Volk, keine Herrenrasse. 

Die Menschheit ist eins, und wer das verleugnet, mag sich seinem Gewissen unterwerfen und sich fragen, ob dies noch den Idealen der Menschlichkeit entspricht.
 

Sonntag, 13. Januar 2013

Das Grundbedürfnis nach Sicherheit

Unser Streben als Menschen gilt und galt schon immer der Sekurität. Ob nun in einem Staat, in einer Gruppe oder als Einzelne(r), stets wollen wir die Gewissheit haben, dass es uns auch in 10 Jahren noch so gut gehen wird wie heute. Auf ewig fordern wir, dass wir sicher sind vor Überfällen, vor Kriegen und sonstigen etwaigen Gewaltdelikten und sind immer bestrebt, alle nur erdenklichen Mittel einzusetzen, um dieses Ziel zu erreichen.

Hier gibt es kein Warum, kein Weshalb. Der Mensch ist so geschaffen, dass er stets den Ort aufsucht, an dem er sich wohlfühlt. Und das ist nicht am Rande eines Vulkankraters oder im Kugelhagel eines Bürgerkrieges. Unsere Gene haben uns den Selbsterhaltungstrieb mitgegeben. Und auch unsere Ratio sagt uns, dass es wohl besser wäre, der Gefahr aus dem Weg zu gehen.
Dafür, für diese angestrebte allgegenwärtige Sicherheit, benötigen wir das Konstrukt eines Staates. Und wir geben als Volk unsere Macht ab an jene, die versprechen, uns zu schützen, für uns zu sorgen und darauf zu achten, dass wir in Sicherheit leben; wir, unsere Kinder und all jene Generationen nach uns.
... und wir vertrauen ihnen.
Doch abgegebene Macht erlangt man nicht leicht zurück. Und, wie es Lord Acton seinerzeit so schön ausdrückte: 
„Power tends to corrupt and absolute power corrupts absolutely.“
Ein Herrscher mit absoluter Macht hat die Möglichkeit, für Sicherheit sorgen zu können. Doch eine „Wohlfahrtsdiktatur“, die wahrhaft jedem Mitglied der Gesellschaft die gleichen Rechte einräumt und sich um deren Sicherheit sorgt, hat es nie gegeben und wird es nie geben, denn der Mensch ist nicht nur von Natur aus dumm, sondern auch von Natur aus böse. Der Mensch denkt kurzfristig und handelt nicht global, sondern nur im eigenen Interesse.

http://bit.ly/W03bUO


Jede(r) hat Angst vor einer Bedrohung, welcher Art auch immer sie sein mag. Und wir alle benötigen Garantien, um ein sicheres Leben führen zu können. Doch das System, in dem wir leben, bestimmt, wie diese Garantien aussehen. Doch das Wichtigste lautet stets: Wir, das Volk, bestimmen, wie dieses System aussieht. Und weder im Namen der Freiheit noch im Namen er Sicherheit sollte es jemals einem Diktator gestattet sein, ein Volk zu unterdrücken.

Die Sicherheit, die wir uns so wünschen, erreichen wir nicht durch eine Abgabe der Macht. Wir erreichen sie, indem wir selbstständig denken und handeln und uns nicht bevormunden lassen. Sicherheit und Freiheit schließen sich nicht aus, denn Freiheit führt zu Sicherheit.

Sonntag, 6. Januar 2013

Das Grundbedürfnis nach Freiheit

Unser Streben als Menschen gilt und galt schon immer der Unabhängigkeit. Ob nun als Volk von einem größeren Staat, als Gruppe vom Volk oder als Einzelne(r) von der Gesamtgruppe, stets wollen wir noch autonom bleiben und sind immer bestrebt, alle nur erdenklichen Mittel einzusetzen, um dieses Ziel zu erreichen.
Doch warum? Warum vertrauen wir darauf, dass wir besser handeln, wenn wir nicht kontrolliert werden? Warum denken wir, dass die Freiheit uns zu besseren Menschen macht?
Selbst im angestrebten Kommunismus kann nicht jeder Mensch individuell handeln, denn das würde das Gesamtprinzip gefährden. Zudem setzt das System einen anderen Menschen voraus.
Anarchie ist das Ideal der absoluten Freiheit, dafür existiert keine Sicherheit im Leben. Trotzdem wird dieser Zustand von manchen angestrebt, genauso wie der Kommunismus trotz seiner Unerreichbarkeit vielen ein Ziel ist. Doch ist es deswegen ein sinnloser Kampf?
Das höchste Gut des Menschen ist sein Ideal. Es kann ihm nicht genommen werden; die Gedanken sind frei.

http://tinyurl.com/acm575m

Gegen bestehende Ungerechtigkeiten anzukämpfen ist niemals sinnlos, denn erst dadurch kommt es zum erwünschten Wandel. Dass ein angestrebter perfekter Zustand niemals erreicht werden kann, mag so manch einem/einer RevolutionärIn nicht einleuchten (diese Demotivierung wäre auch gar nicht mein Ziel), doch dem Ideal so nahe wie möglich zu kommen, dies kann ein realer Endzustand sein.
In Europa haben wir erfolgreich das System der Demokratie aufgebaut. Dabei sind wir als Bürger nicht vollständig frei (was eben das unerreichbare Schlussziel ist) und hundertprozentig demokratisch wird auch in naher Zukunft kein Staat werden, doch dem Idealzustand angenähert ist besser, als immer noch in einer Autokratie zu leben. Ein moderner Monarchist, Neofaschist oder Anhänger einer anderen Art von Despotismus ist sicherlich in der Lage, Vorteile seines angestrebten Systems zu erläutern. Würden jedoch jene Menschen in solch einem Staat leben, würden sie sich wiederum andere Verhältnisse wünschen. Das Ende der Freiheit ist der Beginn der Diktatur, eine Diktatur setzt auf die Macht einer einzelnen Person oder einer Elite-Gruppe, welche mit höherer Macht ausgestattet ist. Und Macht korrumpiert. Menschen sind wankelmütig, doch allgemein lässt sich immer sagen, dass sie dort leben wollen, wo sie glücklich sind. Und Glück ist ohne Freiheit nicht denkbar.

http://tinyurl.com/b6g73nh (editiert)
Ein passender Appell an die Leser dieses Blogs wäre wohl: Seid, was ihr sein wollt, werdet, was ihr noch nicht erreicht habt und verwirklicht eure Visionen, ohne euch unterzuordnen. Ihr seid, was ihr denkt zu sein. Und wenn ihr aufhört zu denken, dann hilft auch alle Hoffnung nicht mehr.

... doch wer bin ich, euch zu sagen, wie ihr euer Leben gestalten sollt? 
Denn schließlich seid ihr 
FREI!

Sonntag, 30. Dezember 2012

Konsequenzen des demografischen Wandels

Demografischer Wandel, was ist das?
Zuallererst einmal: Demografie ist die wissenschaftliche Erforschung des Zustandes der Bevölkerung und ihrer zahlenmäßigen Veränderungen. Wir reden also von einer Wissenschaft, die sich ausschließlich mit der Bevölkerungsentwicklung beschäftigt. 
Ausschweifende Definitionen sind zu der Thematik nicht nötig, denn dem/der gebildeten LeserIn sind die meisten Fakten der aktuellen Situation bekannt.
Zusammengefasst sieht die Lage jedoch folgendermaßen aus: In den meisten Ländern findet ein Prozess statt, der unter dem Begriff "Demografischer Übergang" bekannt ist. Dabei handelt es sich um ein Modell, welches eben genau das aufzeigt: einen bevölkerungstechnischen Wandel. Die genaue Lage von Nationalstaaten innerhalb dieses Modells ist sehr unterschiedlich, schwer zu prognostizieren und auch stark umstritten. Anzunehmen ist jedoch, dass die meisten Industrienationen wie beispielsweise Japan, Frankreich und Deutschland sich am Ende der 4. oder auch zu Beginn der 5. Phase befinden, wohingegen Simbabwe, Kenia und andere ärmere und wirtschaftlich zurückgebliebene Staaten in der 2. und 3. Phase vorzufinden sind.
http://tinyurl.com/b9ggalg
Kaum ersichtlich aus dieser Grafik sind allerdings die Konsequenzen, welche sich aus dieser Veränderung ableiten.
Zum einen bedeutet der Prozess des demografischen Wandels, dass innerhalb kürzester Zeit die Bevölkerungszahl in gewissen Gebieten dieser Erde (ohne Migrationsausgleich) rasant abnimmt. Als Beispiel soll hier Deutschland dienen. Laut Statista lebten im Jahre 2012 in der Bundesrepublik rund 81,8 Millionen Menschen, 2050 sollen es nur noch 71,5 Millionen sein. Für kluge Mathematiker bedeutet dies einen Schwund von ca. 10 Millionen Menschen.
Unser System des immerwährenden Wirtschaftswachstums beruht auch auf dem Wachstum der Bevölkerung. Die Industrialisierung im 18. Jahrhundert in England stellte sich auf die Basis des Bevölkerungsbooms und auch heute suchen große Konzerne immer weiter nach neuen Märkten. Wenn jedoch das Bevölkerungswachstum oder auch allein die stetige Zunahme der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter wegfällt, müssen sich die Finanzmärkte einen neuen Treiber suchen. Zu erwarten sind dann wohl massive Konkurrenzkämpfe zwischen den einzelnen Konzernen und eine verstärkte Aufnahme ökonomischer Prinzipien, die eher wenig mit dem aktuellen Wachstumssystem zu tun haben.
http://tinyurl.com/actjaf4
Sichtbar und auch logisch ist jedoch, dass die Menschheit durch den demografischen Wandel nicht in eine Sackgasse geht oder in ihr Verderben hineinrennt. Jede noch so ungewöhnliche Lage normalisiert und stabilisiert sich wieder.
Doch sollte die Politik sich dafür einsetzen, schnellstmöglich die bevölkerungstechnischen "Verluste" auszugleichen? Ist der konventionelle Umgang mit den Veränderungen vernünftig? Wäre eine globale Planung des demografischen Wandels sinnvoll? Oder gibt es unter der Leserschaft noch viel radikalere Ideen?
Bisher war dieser Blog zugegebenermaßen etwas einseitig strukturiert, doch ich würde mich freuen, mit diesem Artikel auf Resonanz zu stoßen. Wir können alle durch Meinungsaustausch voneinander profitieren.

Dies war der letzte Blogeintrag des Jahres 2012. Ich hoffe, mit meinen Artikeln zum Nachdenken anregen zu können. Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder.
Mögen die Sterne über euch wachen.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Die Sehnsucht nach dem Ende

Wieder ist ein Jahr vergangen und auch einen weiteren Weltuntergang haben wir überlebt. Welch ein Wunder! Aber halb so schlimm; nicht lange, und es wird wieder ein(e) selbst ernannte(r) ProphetIn kommen und das Ende prophezeien. Oder die Medien werden dies tun, denn diese haben mittlerweile die Kunst des Hypens zur Perfektion gebracht. Kein Thema, abgesehen vielleicht von der Debatte um "das Gott" und die anhaltende Krise, haben die Vierte Gewalt in letzter Zeit so sehr beschäftigt wie das Ende des Maya-Kalenders am 21.12.2012.

http://tinyurl.com/cdnv9ml

Warum eigentlich? Nun, zum einen ist es die Aufgabe der Medien, die Menschen zu informieren, mag das Informationsmaterial auch noch so mies sein. Zum anderen versuchen die Konzerne, die dahinter stehen, so viel Geld wie möglich aus der Situation zu machen.
„Die Medien können nicht bestimmen, was die Menschen denken, aber sie haben einen großen Einfluss darauf, worüber sich die Menschen Gedanken machen.“, wie es in der Agenda-Setting-Forschung heißt. Die Menschen werden auf ein Thema eingeschossen, in allen Bereichen begegnet es einem; selbst vor diesem Blog macht es nicht halt. Eine vielfältige Berichterstattung ist dabei nicht vorgesehen, vielmehr wird die Leserschaft durch eine blühende Fantasie beeindruckt. Eine scheinbar explodierende Erde oder eine gefrierende Welt treibt den Adrenalinspiegel nach oben.
Die Schuld dieser Themengewichtung lässt sich jedoch nicht nur auf die Massenmedien abschieben. Auch der einzelne Mensch ist schuld, allerdings in einer Weise, die sich kaum beeinflussen lässt. Wir sehnen uns nach einem Ende; etwas Unendliches erscheint uns irreal, wir können es nicht begreifen. Wir kommen damit mehr oder weniger gut zurecht, dass wir sterben werden. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir diese Welt verlassen werden. Aber dass danach alles fortbestehen wird, ob nun mit oder ohne uns, das können wir schwer erfassen. Da ist uns ein kollektiver Untergang doch lieber und deswegen gab es auch schon so viele "Weltuntergänge", wie diese Liste eindrucksvoll aufzeigt.
Dass wir noch leben, haben wir nicht dem Umstand zu verdanken, dass uns irgendwelche Götter oder Sektenführer gerettet haben, dass Griechenland wieder eine höhere Bonitätsnote hat oder dass die Venus im 2. Haus nicht im 56°-Winkel zum Saturn steht. Die Welt wird sich weiterdrehen (oder die kosmische Schildkröte samt aufliegender Scheibenwelt wird weiterfliegen, je nach Ansicht) und bislang und auch in naher Zukunft wird die Menschheit zumindest darauf keinen Einfluss haben. Und gerade das ist es vielleicht, was unseren Planeten rettet.
Glücklicherweise ist der Mensch in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden etwas klüger geworden und läuft nicht mehr mit der hysterischen, geleiteten Masse mit, obwohl es auch hier wieder Ausnahmen gibt. Vielleicht ist dies sogar der Fall, wo wir glücklich sein können, kein Schwarmwesen zu sein, wie ich es in meinem ersten Artikel "Von der Menschheit" erwähnte.
Die Ablehnung der Menschen eines - durch wen auch immer propagierten - angeblichen Endes gibt Anlass zur Hoffnung und diese stirbt bekanntlicherweise zuletzt.